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Schwachstroeme in Stall: Die zentrale Rolle der Erdung

Der Vorfall in Vulliens, der im April 2026 von der Westschweizer Presse aufgedeckt wurde, hat ein technisches Phaenomen wieder in den Fokus gerueckt, das diskret aber mit schwerwiegenden Folgen ist: Schwachstroeme in Stallgebaeuden. Ueber den Einzelfall hinaus bestaetigen neueste Studien, dass es sich um ein strukturelles Problem fuer die Schweizer Landwirtschaft handelt. Tatsaechlich spielt die Qualitaet der Erdung darin eine zentrale Rolle.

Was ist ein Schwachstrom?

Ein Schwachstrom – oder Fehlerstrom – ist ein elektrischer Strom mit niedriger Spannung, der ausserhalb des vorgesehenen geschlossenen Stromkreises zirkuliert. Mit anderen Worten: Anstatt durch die Kabel zu fliessen, nutzt er die Metallstrukturen des Gebaeuedes, die Rohrsysteme, Betonboeden oder Bewehrungen. Normalerweise betraegt seine Spannung weniger als 1 Volt, was ihn fuer einen Menschen mit isolierten Schuhen uenspuerbar macht. Seine Auswirkungen koennen jedoch erheblich sein, wenn er auf einen lebenden Organismus trifft, der zwischen zwei verschiedenen Potenzialen eine Bruecke bildet.

Im Stall ist diese Bruecke oft das Tier selbst.

Warum Rinder besonders anfaellig sind

Nach Agridea ist eine Milchkuh fuenf- bis zehnmal stab-empfindlicher als ein Mensch. Mehrere Faktoren erklaren diese Empfindlichkeit:

  • Ein Gewicht von 600 bis 700 kg, das auf vier Beinen in direktem Bodenkontakt verteilt ist
  • Feuchte Klauen auf einem leitfaehigen Beton, oft mit Ausscheidungen belastet
  • Ein Koerperwiderstand, der deutlich niedriger ist als der eines schuhtraegenden Menschen
  • Eine breite Spurweite, die die Wahrscheinlichkeit erhoet, gleichzeitig zwei verschiedene Potenziale zu beruehren

Die von der Hochschule fuer Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) Zollikofen zusammen mit Prometerre durchgefuehrte Studie ist aufschlussreich: 37 % der 1’428 befragten Schweizer Betriebe waren oder sind mit diesem Phaenomen konfrontiert. Darueber hinaus sind die Symptome vielfaeltig: Rueckgang der Milchproduktion, Weigerung, den Melkstand zu betreten, wiederholte Mastitis, Fruchtbarkeitsstoerungen, Unruhe in der Ruhe und in schwerwiegenden Faellen erhoehte Sterblichkeit.

Ausserdem aehneln diese Zeichen denen von verbreiteten Erkrankungen, was die Diagnose erschwert. So ermoeglichen nur komplexe elektrische Messungen die sichere Erkennung eines Schwachstroms.

Ursachen: Photovoltaik, Installationsaenderungen, mangelhafte Erdung

Die Photovoltaik-Installation wird oft unter Verdacht gestellt. Doch sie ist nicht per se schuldig. Wie Agridea betont, verursacht eine korrekt ausgefuehrte und korrekt geerdete PV-Anlage kein besonderes Problem.

Die Quellen sind in Wirklichkeit vielfaeltiger:

  • Folgende Erweiterungen und Aenderungen elektrischer Installationen ohne umfassende Ueberpruefung der Erdung
  • Unangemessene oder schlecht beherrschte Neutralleiterschemen (Verwechslung TN-C / TN-S, PEN nicht richtig getrennt)
  • Mehrfache Erdungspunkte, die Fehlerstromschleifen erzeugen
  • Unvollstaendige Equipotenzialverbiendungen zwischen Metallstrukturen, Blitzschutz und Erdung
  • Externe Stromrueckkehrwege (Eisenbahnen, Hochspannungsleitungen, Nachbarinstallationen)
  • Korrosion der Erdungsverbindungen, besonders in feuchter und aggressiver landwirtschaftlicher Umgebung

Das Risiko steiget erheblich, wenn mehrere Handwerkgruppen nacheinander eingreifen – urspruenglicher Elektriker, PV-Installateur, Melkroboter-Integrator, Automatisierung – ohne technische Abstimmung bezueglich der Erdung.

Die technischen Grundlagen einer wohlkonzipierten Landwirtschaftsanlage

TN-S-System und zentraler Erdungspunkt

Zunaechst ist das TN-S-System (Erde und Neutralleiter getrennt) der Standard fuer Stallgebaeude. In der Praxis erfordert es die strikte Trennung des Neutralleiters (N) und des Schutzleiters (PE) stromabwaerts des Anschlussverbindungspunktes. Auf diese Weise zirkuliert der Neutralstrom nicht in den Metallstrukturen.

Darueber hinaus muss ein eindeutiger zentraler Erdungspunkt (ZEP) ab der Entwurfsphase definiert werden. Tatsaechlich bildet dieser ZEP den einzigen Verbindungspunkt zwischen den Schutzleitern in Sternkonfiguration, den Equipotenzialleistern, dem Blitzschutzsystem und dem PEN-Leiter der Anschlussleitung. Vor allem muss er zwingend ausserhalb der empfindlichen Bereiche liegen, wo sich die Tiere aufhalten.

Angepasster Fehlerschutz

Anschliessend muss der Fehlerschutz hierarchisiert sein:

  • Eine Fehlerstromschutzvorrichtung (RCD) von 300 mA als Gesamtschutz
  • RCDs von 30 mA auf alle steckbaren Endschaltugen
  • Zeitabstimmung zwischen den Ebenen zur Vermeidung unbeabsichtigter Ausloesung

Equipotenzialverbindung und dauerhafte Anschluesse

Darueber hinaus muss die Equipotenzialverbindung alle Metallstrukturen abdecken, die fuer Tiere zugaenglich sind: Rohrsysteme des Melkstandes, Gitter, Liegeplaetze, Traenken, Futterständer, Gebaeudestruktur, technische Kanäle. Im Idealfall sollte sie vermascht sein und zum ZEP rueckfuehren.

Die Schwachstelle jeder landwirtschaftlichen Erdung bleibt jedoch die Dauerhaftigkeit der Anschluesse. Tatsaechlich greifen Feuchte, Giuelle, Temperaturunterschiede und Vibrationenklassische mechanische Assemblagen in wenigen Jahren an. Deshalb ist die exotherme Schwessung nVent ERICO CADWELD heute die Referenz des Sektors: Sie schafft eine dauerhafte Molektularfusion zwischen den Leitern, widerstands faehig gegen Korrosion, ohne Kontaktalterung, und visuell ueberprueifbar.

Darueber hinaus bieten nVent ERICO Erdungssonden aus kupferbeschichteter Stahl einen fuer schweizer Landwirtschaftsboeden, oft heterogen, angepassten Kompromiss zwischen Dauerhaftigkeit und Verankerungstiefe.

Schliesslich – angesichts Blitzschutz und voruebergehender Uebersspannungen, besonders kritisch bei Photovoltaik-Paneelen auf Stalldaechern – bietet die SALTEK-Serie kompletten Schutz:

  • SALTEK SLP fuer den kombinierten Schutz Typ 1+2 am Kopf der Installation
  • SALTEK VLD fuer den spezifischen Gleichstromschutz auf der Seite der Photovoltaik-Anlagen

So ergaenzen diese Ueberspannungsschutzgeraete, richtig dimensioniert und an einen eindeutigen ZEP angeschlossen, die Erdung durch Evakuierung von Uebersspannungen, die durch Blitze oder Netzmanoevrierungen induziert werden.

Der Schweizer Rahmen strukturiert sich: Waadtlaender Beihilfe und ASCE-Schulung

Seit dem 1. Januar 2026 subventioniert der Kanton Waadt ueber die Energierichtung (DGE-DIREN) Diagnosen, die von speziell geschulten Experten des Verbands fuer die Kontrolle elektrischer Anlagen (ASCE) durchgefuehrt werden. Konkret ist das Ziel klar: Landwirtschaftliche Betriebe, die das Vorhandensein von Schwachstroemen vermuten, ermutigen, einen professionellen Diagnosen zu nutzen, bevor Korrekturmassnahmen durchgefuehrt werden.

Parallel hat der Westschweizer ASCE-Verband 2025 ein Weiterbildungsprogramm ausschliesslich fuer Schwachstroeme in landwirtschaftlicher Umgebung gestartet. Auf diese Weise antwortet die allmahliche Kompetenzsteigerung von Elektrikerkontrolleuren auf ein Phaenomen: In vielen Faellen sind Installationen normkonform, aber nicht an die Elektrosensitivitaet des Viehs angepasst.

Der Sektor Viehzucht und Elektrotechnik sind also zu frueherem Dialog eingeladen – idealer Weise schon in der Planungsphase des Gebaeuedes, lange vor der Installation von Photovoltaik-Panels oder Melkrobotern.

Die Rolle von Amperio: bewaehrte Komponenten und Produktfaehigkeit

Amperio GmbH ist ein B2B-Elektrotechnik-Distributor mit Sitz in Morat. Amperio begleitet Elektriker, Planungsbueros und Integratoren, die diese empfindlichen Anlagen konzipieren und realisieren. Unsere Aufgabe ist nicht die Diagnose, sondern die Bereitstellung der Komponenten, die auf dem Feld einen Unterschied machen:

  • Erdungssonden, Leiter und Schienen nVent ERICO
  • Exotherme Schwessung nVent ERICO CADWELD fuer bestaendige Anschluesse
  • Uebersspannungsschutzgeraete SALTEK zum Schutz vor Uebersspannungen und Blitzschlag
  • Zubehoer fuer Equipotenzialverbindung und Befestigung fuer landwirtschaftliche Umgebungen

Eine gute Erdung ist unsichtbar. Sie bedingt jedoch die Geundheit der Herde, die Rentabilitaet des Betriebs und die Dauerhaftigkeit der gesamten elektrischen Installation.

Weitere Informationen

Unsere Teams in der Romandie und der Deutschweiz sind verfuegbar, um Ihre Projekte fuer landwirtschaftliche Anlagen zu begleiten, sowohl im Voraus als auch bei Renovierungen. Kontaktieren Sie uns unter info@amperio.ch oder unter +41 26 672 30 70.

Haeufig gestellte Fragen zu Schwachstroemen im Stallgebaeude

Wie erkenne ich, ob mein Stall von Schwachstroemen betroffen ist?

Die klinischen Zeichen sind selten spezifisch: Weigerung, den Melkstand zu betreten, Unruhe, Rueckgang der Milchproduktion, wiederholte Mastitis, Fruchtbarkeitsstoerungen, unerklarte Laehm. Diese Symptome aehneln denen vieler verbreiteter Erkrankungen, weshalb die Diagnose ohne elektrische Messungen schwierig ist. Nur ein von der ASCE zertifizierter Experte mit angepasstem Material kann das Vorhandensein oder den Ausfall von Schwachstroemen bestaetigen oder ausschliessen.

Sind Photovoltaik-Paneele fuer Schwachstroeme verantwortlich?

Nein, nicht per se. Eine korrekt dimensionierte, installierte und besonders korrekt geerdete Photovoltaik-Anlage erzeugt keine Schwachstroeme. Das Problem entsteht, wenn eine PV-Anlage hinzugefuegt wird, ohne das bestehende Erdungsschema kohaerent zu ueberarbeiten, ohne vollstaendige Equipotenzialverbindung oder ohne Abstimmung zwischen den Fachgruppen, die am Gebaeude arbeiten.

Was ist exotherme Schwessung und warum sie in landwirtschaftlicher Umgebung verwenden?

Die exotherme Schwessung schafft eine dauerhafte molekulare Fusion zwischen zwei Leitern durch eine Hochtemperaturreaktion. Im Gegensatz zu klassischen verschraubten mechanischen Anschluessen lockert sie sich nicht, oxidiert nicht und widersteht feuchten und korrosiven Umgebungen, die fuer Landwirtschaftsbetriebe charakteristisch sind. Die nVent ERICO CADWELD-Serie bleibt das Referenzsystem des Sektors fuer dauerhafte Erdungsanschluesse.

Gibt es finanzielle Hilfen fuer die Diagnose von Schwachstroemen in der Schweiz?

Ja, seit dem 1. Januar 2026 im Kanton Waadt. Die Energierichtung (DGE-DIREN) subventioniert Diagnosen, die von speziell vom Verband fuer die Kontrolle elektrischer Anlagen (ASCE) geschulten Experten durchgefuehrt werden. Die anderen Kantone koennten folgen – es wird empfohlen, sich bei seiner kantonalen Landwirtschaftskammer oder direkt bei der ASCE-Sektion Romandie zu erkundigen.

Welche Norm gilt fuer die Erdung eines Stallgebaeudes in der Schweiz?

Die Schweizer Niederspannungs-Installationsnorm (NIBT) gilt fuer landwirtschaftliche Gebaeude, mit verstaerkten Anforderungen fuer Raeume fuer landwirtschaftliche und gaertnerische Zwecke. Das TN-S-System wird empfohlen, mit einem eindeutigen zentralen Erdungspunkt, abgestuftem Fehlerschutz (300 mA global, 30 mA bei Endschaltugen). Und eine Equipotenzialverbindung, die alle fuer Tiere zugaenglichen Metallstrukturen abdeckt.

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